Veröffentlicht: 22.09.2020

Blog #39: Vlies tapezieren und streichen Teil 1

Bei der Wandgestaltung gibt es lange Diskussionen. Zu vielfältig sind die Optionen, als dass man das Thema allzu schnell abhaken könnte. „Mit Holz verkleiden oder streichen?“ ist die erste Frage. Da wir einen Holzboden verlegen und Teile der Wände mit Altholz verkleiden werden, erscheint uns noch mehr Holz in der Hütte als „too much“. Dann lieber mehr Holz vor der Hütte … zum Verbrennen. Eine partielle Verkleidung mit Naturstein haben wir ja schon im Esszimmer, weshalb noch mehr Stein nicht in Frage kommt.

Also bleibt nur noch streichen. Weiß oder farbig? Zunächst drängt sich weiß auf, denn damit kommen die anderen Materialien besser zur Geltung. Allerdings hat weiß den Nachteil, dass es bei voller Sonnenbestrahlung stark blendet, bei zunehmender Abwesenheit von Licht aber nur eine Abstufung von Grau darstellt. Außerdem wollen wir Farbe in unser Leben bringen und entscheiden uns deshalb, bis auf die Decken in den Bädern, ausschließlich mit Farbe zu arbeiten.
Nächste Frage: „Welche Art von Farbe sollen wir verwenden?“ Hier ist nicht der Farbton gemeint, sondern das Material. Die Antwort leitet sich aus der Konzeption unseres Hauses ab. Wer uns in unserem Hausselbstbau-Blog bis hierher gefolgt ist, der weiß, dass wir unser Haus diffussionsoffen konzipiert haben. Das bedeutet, dass wir alle Baumaterialien so aufeinander abgestimmt haben, dass die Diffussionsoffenheit von innen nach außen zunimmt. Dadurch ergibt sich ein Diffussionsgefälle von innen nach außen, was bedeutet, dass Luftfeuchtigkeit von innen nach außen durch die Wand und Decke abgeleitet wird.

Würden wir eine Dispersionsfarbe auf die Wände und Decke auftragen, wäre damit der Feuchtigkeitstransport durch die Haushülle unterbunden und wir hätten damit unseren diffussionsoffenen Wand- und Deckenaufbau zunichte gemacht. Deshalb ist es klar, dass wir ausschließlich Naturfarben verwenden, die die Diffussionsfähigkeit unserer Hülle unterstützen.
Bei der Suche nach einem passenden Anbieter für Naturfarben bleiben wir bei der Firma KREIDEZEIT hängen. Hier gefällt uns einerseits die Philosophie des Unternehmens: „Seit 1987 stellen wir aus natürlichen und nachwachsenden Rohstoffen ökologisch konsequente Farben her. Den Kreidezeit-Produkten liegen traditionelle Rezepturen zu grunde, die wir an heutige Erfordernisse anpassen. Rund 200 Produkte umfasst unser Katalog - mit Ausnahme der Farbpigmente stammen alle aus eigener Entwicklung und Herstellung“, so die Aussage des Unternehmens. Außerdem ist Kreidezeit Mitglied bei Invena. Das ist der internationale Verband von Naturbaustoffherstellern, die die Inhaltsstoffe Ihrer Produkte vollständig deklarieren. Damit kauft man nicht die Katze im Sack.

Andererseits bietet das Unternehmen traditionelle Färbetechniken an, mit denen wir liebäugeln. So denken wir heftig darüber nach, unsere Duschen mit der marokkanischen Tadelakt-Technik zu gestalten. Kreidezeit bietet auch hierfür die entsprechenden Materialien und auch das Know-how für die Techniken an. Wie man dem vorangegangenen Blog-Beitrag entnehmen kann, entschließen wir uns am Ende dann aber doch dazu, die Duschen zu fliesen.

Und schließlich ist es die freundliche und kompetente Beratung, mit der uns die „Kreidezeitler“ helfen, die für uns richtige Farbe und Verarbeitungstechnik zu finden. Denn neben verschiedenen Materialien gibt es eine Vielzahl von Techniken und Verarbeitungsweisen, mit denen man bestimmte, gestalterische Effekte erzielen kann. Für manche ist es wichtig, dass man viel Erfahrung mitbringt oder gar Profi ist, andere sind auch für Selbermacher, wie uns, einfach zu verarbeiten.

 

Naturfarben und Putze für die Innenraumgestaltung

Das ist das Material, mit dem wir unser komplettes Haus innen streichen wollen. 

So entscheiden wir uns nach einem ausführlichen Studium der Kreidezeit Website (LINK) und nach einer eingehenden telefonischen Beratung für den Einsatz von Kalkfarben. Allerdings verabschieden wir uns von der Idee, die Duschen mit der marokkanischen Tadelakt-Technik zu gestalten. Hier sind wir uns nicht ganz sicher, ob wir das so hinbekommen, dass es wirklich langfristig dauerhaft wasserdicht ist. Und das ist in einem Holzhaus noch wichtiger, als in einem Massivhaus. Deshalb fällt unsere Entscheidung – wie oben bereits erwähnt – dann schließlich doch auf Fliesen. 

Marokkanische Tadelakt-Technik, auch für Duschen geeignet.

Die marokkanische Tadelakt-Technik ist sehr dekorativ. 

Für die Wohnräume entscheiden wir uns für den Roll- und Streichputz von Kreidezeit. Der ist im Gegensatz zu klassischen Putzen, auch von Laien gut verarbeitbar. Den gibt es glatt oder gefüllt mit einer Körnung von 0,5 oder 1,0 mm. Wir entscheiden uns für die Füllung mit 0,5er Körnung. Das gibt der Wand eine gewisse Struktur und Unebenheiten, wie wir sie als Spachtellaien sicherlich hinterlassen haben, werden besser kaschiert, als bei der glatten Farbe. 1,0 mm wäre uns allerdings zu rauh gewesen. 

Ein weiterer Vorteil des Roll- und Streichputzes von Kreidezeit ist die Tatsache, dass der mit Pigmenten bis zu einem gewissen Grad eingefärbt werden kann. So bringt man beim Auftragen des Putzes auch gleich die Farbe mit ins Spiel und spart sich den zusätzlichen Farbanstrich. Überhaupt gefällt uns die Idee, die Farben selbst mittels Pigmenten anzumischen. Das gibt einen gewissen Grad an Flexibilität, was die farbliche Gestaltung anbelangt. Denn fällt der Farbton beim ersten Anstrich zu hell oder zu dunkel aus, kann man beim Anmischen der Farbe für den zweiten Anstrich noch nachjustieren. 

Pigemente für unsere Innenraumgestaltung.

Mit diesen sechs Pigmenten werden alle unsere Wände gestrichen.

Farbabgleich mit der Farbkarte.

Unser Moodboard: Auf einer OSB-Platte haben wir die Farben immer vorher ausprobiert, sie antrocknen lassen und mit dem gewünschten Farbton des Farbfächers verglichen. 

Weitere Vorteile von Kalkfarben: 

● Trockenwischfest, spritzwasserfest
● diffusionsoffen
● antistatisch
● besonders geeignet für Allergiker und Kinderzimmer
● spannungsarm
● gutes Deckvermögen
● mehrfach überstreichbar
● desinfizierend, schimmelabweisend
● emissionsfrei
● frei von Titanweiß, Konservierungsmitteln und Kunstharzbindemitteln
● alkalisch, pH 13
● vegan

In den Bädern setzen wir Sumpfkalkfarbe ein. Die bietet zu den o.g. Vorteilen von Kalkfarben, dass sie ein enormes Potenzial hat, Feuchtigkeit aufzunehmen und wieder abzugeben. In Verbindung mit der hohen Resistenz gegen Schimmel hilft das gerade in Feuchträumen, Schimmel zu vermeiden.

 

Wir beginnen unser Werk im Büro und Schlafzimmer mit dem verkleben einer Vliestapete an der Deckenschräge. Das Vlies hat die Aufgabe, Risse in der Decke zu kaschieren, die durch die Bewegung des Hauses und durch das „Arbeiten“ der ESB-plus-Platten an der Decke unweigerlich entstehen.

Vlies und Kleister

Das Vlies wird mit Sicherheitskleister angeklebt. 

Vlies an der Decke tapezieren.

Die Arbeit ist ein ganz normaler Tapezierjob, mit der kleinen Herausforderung, dass das Vlies nicht wieder von den Deckenschrägen abfallen sollte. 

An der Decke tapezieren ist immer ein wenig

Dazu wird sowohl die Vliestapete als auch die gespachtelten Holzplatten an der Decke satt mit Tapetenkleister eingekleistert. Unser Versuch, von oben nach unten zu arbeiten scheitert allerdings. Der spitze Winkel, in dem die Tapete von der Decke abhängt, führt dazu, dass sich die Tapete aufgrund des Zugs immer wieder von der Decke ablöst. 

Von unten nach oben arbeiten ist einfacher als umgekehrt.

Erst das Arbeiten von unten nach oben bringt den gewünschten Erfolg. Während ich die Tapete anlege und mit der Bürste anpresse, stützt Edith den herabhängenden Rest der Tapete mit einem Besen. So arbeiten wir uns allmählich von unten nach oben. 

Dabei ist darauf zu achten, dass man nicht zuviel Deckenfläche mit Tapetenkleister einkleistert, denn die ESB-plus-Platten und die Spachtelmasse saugen den Kleister relativ schnell auf, so dass dieser recht schnell antrocknet. 

Fixierung der Tapete mit Hubstützen schützt davor, dass sich die Tapete am Ende löst und dann herunterfällt. twendig.

Oben angelangt löst sich die Tapete immer wieder von der Decke und droht herunterzufallen. Erst die Fixierung der Tapete mittels Hubstützen hält sie dauerhaft oben, bis der Kleister getrocknet ist.  

Die Bahnen werden Stoß an Stoß verklebt.

Die Bahnen werden Stoß an Stoß verklebt bis die Decke geschlossen ist.

Wenn unterschiedliche Farben zum Einsatz kommen, müssen die Flächen abgeklebt werden.

Da wir Decke und Wände mit unterschiedlichen Farben streichen wollen, müssen wir die einzelnen Flächen abkleben. Die Deckenfarbe ziehen wir fünf Zentimeter auf die Wände herunter. Deshalb klebe ich das Kreppband hier im Abstand von fünf Zentimetern an die Wand.  

Wir beginnen mit unserem Büro, dem wir warme, erdige Farben geben wollen. Der Raum soll im afrikanischen Stil möbliert und gestaltet werden. 

Farbauswahl und Berechnung der Pigment-Mengen.

Anhand der Kreidezeit Farbkarte haben wir uns die Farbtöne ausgesucht und die entsprechenden Pigmente bestellt. Die verschiedenen Tönungsgrade gibt Kreidezeit in einer Tabelle in Gramm pro Kilogramm Farbe an. 

Pigment “Oxidorange”.

Pigment “Oxidorange”. 

Bei hellen Farbtönen muss die Pigmentmenge mit der Briefwaage abgewogen werden.

Mit der Briefwaage wiegen wir die erforderliche Menge Pigment ab …

Einrühren des Pigments ins Wasser.

… und rühren das Pigment in das Wasser ein, das man dem Kalkputz zugeben muss.  

Vermischen von Pigmentwasser mit dem Roll- und Streichputz.

Dann wird dem Gemisch nach und nach der Roll- und Streichputz zugefügt und mit dem Bohrmaschinen-Quirl vermischt. 

Optimal vorbereitet im Maler-Ganzkörperkondom.

Für das Streichen der Decken besorgen wir uns noch Einweg-Maleranzüge. Hätten wir gewusst, wie rar die in Corona-Zeiten werden, hätten wir uns sicher ein paar Anzüge mehr gekauft. 


Edith im Malerdress.

I’m so excited, I just can't hide it … 

Edith fällt das Streichen leichter, als das Rollen. Also streichen wir.

Entgegen ersten Vermutungen, dass wir die Farbe rollen, tut sich Edith mit dem Streichen leichter. Also wechseln wir die Technik und beginnen mit der Decke, unser Büro im Farbton D zu streichen. Das ist ein ganz zarter Ton, der mit minimaler Zugabe des Oxidorange Pigments angemischt wird. 

Die Farbe ist im nasses Zustand noch erschreckend dunkel. Mit der Trocknung hellt sie deutlich auf.

An der Wand darf’s dann schon ein bisschen mehr Farbe sein. Allerdings wird der Ton deutlich heller, sobald die Farbe getrocknet ist.

Überall, wo mit einem anderen Farbton gearbeitet wird, muss abgeklebt werden.

Abkleben und Abziehen des Klebestreifens gehört hier natürlich genauso zum Job. 

Sieht wild aus, wird aber noch ebenmäßiger.

Während der Abtrockungsphase sind die einzelnen Pinselstriche deutlich zu erkennen. 

Nach dem Abtrocknen wird die Farbfläche sehr gleichmäßig.

Nach dem Abtrocknen wirkt die Wand allerdings fast ebenmäßig, nur beim genauen Hinsehen sind leichte Strukturunterschiede aufgrund der Füllung der Farbe mit 0,5er Korn zu erkennen. Aber das ist von uns auch so gewünscht. 

Fertig. Drei verschiedene Tönungen prallen aufeinander.

Sieht doch irgendwie hübsch aus mit den drei unterschiedlichen Farbtönungen. Klar ist das mehr Aufwand, denn jede Fläche muss abgeklebt werden und nach dem Streichen muss man mindestens acht Stunden warten, bis man den zweiten Anstrich machen kann. Aber am Ende ist das alles egal. Es sieht schön aus und wir werden uns in den nächsten 250 Jahren daran erfreuen 😉

Im nächsten Blog beschreiben wir den Umgang mit der Sumpfkalkfarbe in den Bädern und zeigen Euch, was bei uns im Schlafzimmer schief gegangen ist. Und dabei geht es um die Wandfarbe … 

 

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